Seit Monaten streitet sich die Trierer
Linke, dass die Fetzen fliegen. Stadtrat Johannes Verbeek hatte seinen
Mitarbeiter Konstantin Kanty wegen übler Nachrede vor Gericht gezerrt,
Katrin Werner vor rund einem Monat die Stadtratsfraktion platzen
lassen. Vergangene Woche schließlich erklärte Stadtvorsitzender Kanty
seinen Parteiaustritt.
Doch trotz des Dauerstreits um Posten, Macht und Eitelkeiten
verzeichnete die Linke seit Jahresbeginn gleich mehrere
Parteieintritte.
„Ich sehe gute Ansätze für Kommunalpolitik, die die
Bürger wirklich angeht“, erklärt Neu-Mitglied Thomas Schnitzler. Die
Linke sei beispielsweise die einzige Partei, die sich konsequent für
eine Umgehungsstraße für Kürenz einsetze, behauptet der Kürenzer. Damit
gehört der Historiker zum kommunalpolitisch orientierten Parteiflügel
um Stadtrat Verbeek, der in keiner Ratssitzung versäumt, für die
Umgehungsstraße um seinen Heimatstadtteil zu werben. Auch der Neu-Linke
Norbert Damm ist dem Verbeek-Kreis zuzurechnen, genauso wie Ehefrau
Veronika Verbeek, die die Parteimitgliedschaft beantragt hat.
„Und es gibt noch weitere Eintritte von Trierern, denen es um
Kommunalpolitik geht statt um Postengeschachere“, sagt Schnitzler. Man
plane eine Arbeitsgemeinschaft, unter anderem, um Verbeek bei dessen
unermüdlichem Engagement in Stadtrat und Ausschüssen zu unterstützen.
Die mit Verbeek zerstrittene Werner hat dagegen mit dem Austritt von
Kanty eine wichtige Vertrauensperson in der Partei verloren. „Seinen
Austritt muss ich erst noch verdauen“, sagt die Bundestagsabgeordnete.
Die Trierer Querelen haben hohe Wellen bis nach Berlin geschlagen.
Sogar Bundestagsfraktionsvorsitzender Gregor Gysi hatte Werner darauf
angesprochen. „Und Oskar hat auch angerufen“, sagt sie. Dass selbst
Lafontaine, der sein Bundestagsmandat wegen einer Krebserkrankung
niedergelegt hat, das Gespräch mit der Trierer Kreisvorsitzenden
gesucht hat, resultierte auch aus einer überdeutlichen Pressemitteilung
der rheinland-pfälzischen Parteispitze. Nachdem Werner vor einem Monat
erklärt hatte, mit Verbeek nicht weiterhin eine Fraktion bilden,
sondern lieber als Einzelmandatsträgerin im Rat sitzen zu wollen, hatte
der Landesvorstand sie unmissverständlich aufgefordert, ihr
Stadtratsmandat niederzulegen.
Stattdessen erklärte Werner, dass sie dann doch lieber wieder mit
Verbeek zusammenarbeiten wolle. Doch Verbeek weigert sich, die
notwendige Absichtserklärung zu unterschreiben, die der Stadtverwaltung
zur Neubildung der Fraktion vorgelegt werden muss.
Im frühen Sommer – an welchem Termin im Juni oder Juli steht noch nicht
fest – stehen die turnusgemäßen Neuwahlen des linken Kreisvorstandes
an. Ob Werner und Verbeek erneut als Vorsitzende kandidieren, wollen
beide weder bestätigen noch verneinen.
Doch gegen den wachsenden Verbeek-Flügel, der dem Kürenzer bei den
bislang meist eher schlecht besuchten Wahlveranstaltungen eine Mehrheit
sichern könnte, wehrt sich der Kreis um Katrin Werner bereits:
Marc-Bernhard Gleißner, Werners Wahlkreisbüro-Mitarbeiter, hat
Widerspruch eingelegt gegen den Parteieintritt von Veronika Verbeek.
Dem Vernehmen nach, weil diese sich in den vergangenen Monaten
parteischädigend geäußert habe.
Ob Veronika Verbeeks Eintrittsgesuch entsprochen wird oder nicht,
entscheidet der Kreisvorstand. Doch dass Johannes Verbeek und Katrin
Werner sich dabei einig werden, ist mehr als unwahrscheinlich. Dann
muss die Landesschiedskommission eingeschaltet werden. Das nächste
Kapitel im Dauerzoff der Trier8er Linken scheint damit bereits angelegt.
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